Dienstag, 11. Februar 2014

Mir stinkt´s gewaltig

Wollen wir das unseren Kindern wirklich zumuten?

Vor einiger Zeit brachte unser Sohn seine Trinkflasche überraschenderweise immer unberührt aus der Schule mit nach Hause. Als ich ihn darauf ansprach, traute ich meinen Ohren kaum: „Mama, die Toiletten bei uns sind so greißlig und stinken so. Ich will da gar nicht mehr reingehen.“ Da musste ich erst einmal schlucken. Ein Siebenjähriger überlegt sich tatsächlich, nichts mehr zu trinken, nur um dem Gang zur Toilette zu entgehen. Soll sich aber fünf Stunden lang im Unterricht konzentrieren?

Also habe ich mir am nächsten Tag gleich mal die Schul-Toiletten von meinem Sohn zeigen lassen. Ich war schon auf einiges vorbereitet, doch was ich da sah, als er mir die Tür öffnete, ließ mich unweigerlich sofort einen Schritt zurück treten. In einer Schule erwartet man keine luxuriöse Sanitärausstattung, aber zumindest einen Standard an Hygiene und Ordnung. Und nicht herausgerissene Klorollenhalter, abgerissene Klobrillen und einen Gestank, der kaum auszuhalten ist. Ich verstehe meinen Sohn.

Als ich die Geschichte später meinem Mann erzähle, höre ich, dass das in München nichts Außergewöhnliches ist. Ich bin nochmals baff: so etwas in München? In der reichsten Stadt Deutschlands?  

Für mich besteht eine gute Bildung nicht nur aus einem ausgewogenen, intelligenten Lehrplan. Für mich bedeutet gute Bildung auch, unseren Kindern Raum zu geben, in dem sie sich wohlfühlen und gerne aufhalten. Sich geschätzt fühlen. In vernünftig gestalteten Gebäuden, mit ordentlichen sanitären Anlagen, die hygienisch gepflegt sind. Ich weiß, dass dies eine große Herausforderung ist, nachdem in München auf diesem Gebiet so lange so vieles verschlafen wurde. Aber es ist möglich. Und muss möglich sein.

Unser Sohn freut sich schon darauf!